• Fürst & Friedrich

Das Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich umrahmt eine erhaltenswerte, klassizistische Bestandsfassade und rückt diese zeichenhaft in den Straßenraum der Düsseldorfer Friedrichstadt. An der Stelle des ehemaligen und vielen Düsseldorfer Bürgern bekannten West-LB-Hauses und gegenüber des weitläufigen Kirchplatzes ist ein markanter Neubau entstanden, dessen klare, reduzierte Architektur zur Beruhigung des Straßenbildes beiträgt und gleichzeitig eine einladende, platzähnliche Aufweitung an der Ecke Fürstenwall / Friedrichstraße schafft.

„Für uns Architekten gleicht es einer Bewährungsprobe, wenn ein entworfenes Gebäude endlich Realität wird. Gerade der Erhalt der klassizistischen Fassade erforderte Mut und wir sind dankbar, dass der Bauherr, die Art Invest, diesen Weg mitgegangen ist! Das Ergebnis macht uns nun umso stolzer!“, so Wolfgang Marcour, geschäftsführender Gesellschafter von sop architekten.

Standort:

Düsseldorf

Bauherr:

Art-Invest Real Estate

BGF(oi):

ca. 16.900 m²

Fertigstellung:

2019

Objektplanung:

Leistungsphase: 1-5, KOL 8

Innenarchitektur:

Konzeptentwicklung

Zertifizierung:

LEED Gold

 

Der Entwurf

Der Neubau gliedert sich in drei Abschnitte und öffnet sich an der Straßenecke Friedrichstraße / Fürstenwall mit großer Geste zum gegenüberliegenden Kirchplatz. Eine gebäudehohe Glasfassade wird hier von der massiven Gebäudekante aus hellem Naturstein umrandet und lenkt den Blick ins Innere des Hauses.

Die opulente, historische Natursteinfassade, für die kein Denkmalschutz bestand, die den Bewohnern aber seit jeher als Identifikationsmerkmal ihres Viertels galt und den Architekten als unbedingt erhaltenswert erschien, wird von der transparenten Fläche der Glasfassade umgeben und als freigestellter Baukörper wahrgenommen. Das Relikt der ehemaligen, preußischen Rheinprovinz, das die Stadtwappen von Köln, Koblenz, Düsseldorf, Aachen und Trier zeigt, erhält damit eine ihm angemessene, hervorgehobene Position im Straßenraum und wird gleichzeitig zum adressbildenden Alleinstellungsmerkmal des Neubaus.


Um einen größtmöglichen Kontrast zur Bestandsfassade herzustellen, präsentiert sich die ebenfalls aus Naturstein gefertigte Hauptfassade in strenger, zurückgenommener Form. Auf Vorsprünge und Gesimse wurde bewusst verzichtet, dagegen erzeugen einseitig angeschrägte, 35 Zentimeter tiefe Fensterlaibungen Plastizität und eine spannende Tiefenwirkung.

Hinsichtlich der Höhenentwicklung reagiert das sechsgeschossige Gebäude mit Staffelgeschoss sensibel auf die städtebauliche Situation und orientiert sich an den Bestandshöhen der Nachbarbebauung. Das Staffelgeschoss ist von den umliegenden Straßen durch eine vorgelagerte rund vier Meter breite Dachterrasse kaum sichtbar.

Hereinspaziert...

Im Innern eröffnet sich ein über 17 Meter hoher Luftraum, der den Blick auf die Bestandsfassade frei macht. Sein Loftcharakter überträgt sich auf das großzügige Foyer im Erdgeschoss, auf die Panoramaaufzüge und auf die jeweiligen Empfangsbereiche und auskragenden Glasboxen in den Obergeschossen. Die Architektur des Hauses wird hier besonders erlebbar.


Das über zwei Geschosse ausgebildete, rund 500m² große Foyer, in dem sich der Empfang, eine Bar und eine Lounge befinden, dient auch der Öffentlichkeit als Raum für Begegnungen. Eine Seating-Area steht Mietern und Gästen für informelle Meetings, als Erholungs- oder Arbeitszone zur Verfügung. Gastronomieflächen im Erdgeschoss werden über einen separaten Eingang auf der Friedrichstraße erschlossen. Im seitlichen Eingang am Fürstenwall wurde ein schützenswertes Wandrelief positioniert, das damit weiterhin von außen sichtbar bleibt und zusammen mit anderen erhaltenen Elementen im Gebäudeinneren an das vormalige Bestandsgebäude erinnert.


Die Bürogeschosse sind flexibel aufteilbar und beinhalten den jeweiligen Mieterwünschen entsprechend diverse Einrichtungsformen von Open-Space-Flächen mit Besprechungsinseln und Rückzugsbereichen über Kombizonen mit transparenten Konferenzräumen bis hin zu Einzel- oder Gruppenbüros. Zusätzliche Aufenthaltszonen werden durch Außenterrassen auf mehreren Etagen geschaffen.
Das Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich, das Ende 2019 eröffnet wurde, wurde von der Art-Invest Real Estate entwickelt.

Fragen an den Architekten

Das sagt Wolfgang Marcour, geschäftsführender Gesellschafter von sop architekten, zu dem neuen Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich...

zur städtebaulichen Situation in der Friedrichstadt:

Es war eine herausfordernde Aufgabe, ein neues Gebäude an dieser prominenten Innenstadtlage zu entwerfen: Direkt gegenüber dem weitläufigen Kirchplatz und dann an der Stelle des ehemaligen West-LB Hauses, das jedem Düsseldorfer bekannt war. Hier einen Neubau entwickeln zu können, bietet uns die Chance, die städtebauliche Situation in mehrerlei Hinsicht aufzuwerten: Zum einen können wir die Ecke Fürstenwall / Friedrichstraße durch eine adressbildende, transparente Architektur einladend und weniger anonym gestalten, zum anderen das Straßenbild durch eine angeglichene Gebäudehöhe beruhigen. Im Gegensatz zum früheren Bestandsgebäude kreiert unsere Architektur eine platzähnliche Aufweitung und einen neuen, einladenden Straßenraum. Das transparente, für alle zugängliche Foyer und die Gastronomie im Erdgeschoss beleben die Straßensituation und erhöhen das städtische Treiben in diesem Abschnitt des Fürstenwalls.

zur historischen Fassade:

Die Natursteinfassade von 1895 stellt den prägnantesten Bestandteil des Entwurfs dar. Als ein Bauteil, das zwei Weltkriegen standhielt, hat sie es durch ihre vereinnahmende Präsenz immer wieder geschafft, in allen Nachfolgebauten integriert zu werden.
Nun kommt sie durch den transparenten Rahmen viel stärker zur Geltung. Sie rückt in den Mittelpunkt und wird durch die umlaufende Glasfassade als freigestellter Baukörper wahrgenommen. Damit erhält die historische Fassade die Präsenz zurück, die ihr gebührt. Da sie immer prägend für die Friedrichstadt war, wird sie zusammen mit dem einladenden Eingangsbereich zukünftig sicherlich ein neues Identifikationsmerkmal für die Anwohner bilden.

zur Integration historischer Bausubstanz:

Ein Bauwerk muss immer in seinem städtebaulichen Kontext betrachtet werden und auf die Identität des Ortes eingehen. Wir begegnen jeder historischen Bausubstanz erstmal mit Respekt und versuchen diese, wenn möglich, in die Gegenwart zu überführen. Denn ein Altbau hat immer eine Geschichte zu erzählen. Trotzdem steht die Funktionalität für den späteren Nutzer natürlich im Vordergrund. Wenn beides vereinbar ist, sollte der Neubau sensibel auf den Bestand reagieren. Das kann ergänzend oder als Kontrast geschehen, nicht aber in historisierender Form. Neues sollte mit Altem in Dialog treten, es aber nicht kopieren.

Mitten in der Friedrichstadt

Während der Bauphase entstanden zwei spannende Kurzfilme, die von den Textschwestern im Auftrag der Art Invest realisiert wurden. Vom Bauherren über die Projektleitung, bis hin zu Künstlern und den späteren Nutzern des Gebäudes kommen verschiedene Beteiligte zu Wort. Die Aufnahmen auf der Baustelle zeigen die Dimension des Projektes:

https://vimeo.com/302084929

https://vimeo.com/302086036

 


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